Reaktion auf Notfälle bei Freisetzung von Chemikalien mithilfe der Ausbreitungsmodelle

Reaktion auf Notfälle bei Freisetzung von Chemikalien mithilfe der Ausbreitungsmodelle

Mike Platek | Freitag, 26. Juni 2020

Der anlagenweite Stromausfall in den Pasadena Refining Systems in Texas führte an einem heißen Julitag dazu, dass einige Produkte abgefackelt werden mussten, darunter auch Schwefeldioxid (SO2). Als der giftige schwarze Rauch in Richtung der angrenzenden Gemeinde zog, veranlassten die Sicherheitsbeauftragten eine Sperrung des Houston Ship Channel und forderten Einwohner vorsichtshalber dazu auf, nicht nach draußen zu gehen und Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Glücklicherweise gab es bei dieser Freisetzung von Schwefeldioxid keine Verletzten. Doch der Vorfall war ein Weckruf dafür, dass man trotz aller Vorbereitung auch mit Ereignissen rechnen muss, über die man keine Kontrolle hat. Keine Optimierung der Betriebsabläufe, Schulung von Mitarbeitern oder Maßnahmen zur Gewährleistung von Zuverlässigkeit und Wartung hätten diesen Vorfall verhindern können. Darum ist es so wichtig, auf jede Art von Notfall vorbereitet zu sein.

Kommt es zu einer überraschenden Freisetzung von chemischen Stoffen, gibt es mehr Fragen als Antworten. Was passiert am Boden? Welches Gas wurde freigesetzt? Wie groß ist die freigesetzte Gasmenge und in welche Richtung bewegt sich die Gaswolke? Werden Mitarbeiter, Ersthelfer und Anwohner mit einer gefährlichen Gaskonzentration belastet und wann wird dies der Fall sein? Wo sollten Sie Ihre Rettungskräfte konzentrieren, um eine wirksame Reaktion zu ermöglichen? Ist es sicher, zu Hause zu bleiben und Fenster und Türen zu verschließen oder müssen Sie eine Evakuierung anordnen? Wann können Sie die Sicherheit der Gemeinde wieder gewährleisten?

Was ist ein Ausbreitungsmodell?

Diese Fragen und mehr lassen sich mithilfe von Ausbreitungsmodellen optimal beantworten. Bei Ausbreitungsmodellen, die auch als Modelle für die Verteilung von Gasen in der Atmosphäre bezeichnet werden, handelt es sich um softwarebasierte Algorithmen zur Berechnung des Pfads und der Konzentrationen von freigesetzten Verunreinigungen in der Luft.

Manche Softwarelösungen für Ausbreitungsmodelle können Echtzeitdaten von Gas- und Wettersensoren in erweiterte Algorithmen integrieren, um Ihnen Informationen über die Art des freigesetzten Stoffs, seiner Herkunft und die Richtung, in die sich die Wolke bewegt, zur Verfügung zu stellen. Anhand dieser Informationen lassen sich präzise die Gefahrenzone sowie Bereiche identifizieren, die innerhalb eines Zeitfensters von zwei Stunden betroffen sein werden. Dies ermöglicht Ihnen schnelle und sichere Entscheidungen für die Mitarbeiter in Ihrer Anlage. So können Sie Erstversorger alarmieren und diesen die zur Einrichtung von Straßensperren, Evakuierungszentren, Einsatzzentralen und eventuell erforderlichen Bereichen für Dekontamination, Erstversorgung und Unterbringung benötigten Informationen an die Hand geben.

Mithilfe der Live-Daten zu Umfang, Geschwindigkeit und Richtung, in die sich eine gefährliche Gaswolke bewegt, erkennen Sie auf den ersten Blick, welche Bereiche betroffen sind – an Ihrem Standort und ebenso in der angrenzenden Gemeinde – sowie welche Maßnahmen Sie zur Verringerung der Gefahr ergreifen können. Dank der Software für Ausbreitungsmodelle müssen Sie nicht rätseln und raten, in welche Richtung die Gefahr zieht. Sie erhalten die Möglichkeit, geeignete Schritte einzuleiten und können bei einem Notfall mit Freisetzung chemischer Stoffe souverän agieren.

Zudem erlaubt Ihnen der Einsatz von Ausbreitungsmodellen, sich auf einen möglichen künftigen Notfall vorzubereiten und entsprechende Pläne zu erstellen. Beispielsweise lassen sich mittels einer Erfassung von Daten zu früheren Gasmessungen und Wetterbedingungen verschiedene Was-wäre-wenn-Szenarien durchspielen, die bei einem anlagenweiten Stromausfall das Abfackeln von Produkten erforderlich machen könnten. Falls Sie hierzu gezwungen wären, welche Gase würden dadurch freigesetzt? Wie würden sich diese in der Luft verteilen? Wann müssten Sie die örtlichen Behörden informieren? Wäre eine Evakuierung von Anwohnern in der Nähe erforderlich? Müssten die Straßen in der Umgebung Ihrer Anlage für den Verkehr gesperrt werden? Sich bereits im Vorfeld einer möglichen Freisetzung von gefährlichen Stoffen diese Fragen zu stellen und Antworten darauf zu finden, ermöglicht Ihnen die Erstellung eines Notfallplans, damit Sie besser vorbereitet sind, sollte tatsächlich einmal ein Notfall eintreten.

Wer sollte ein Ausbreitungsmodell verwenden?

Der Einsatz von Software für Ausbreitungsmodelle ist in vielen Branchen und Anwendungen von Vorteil. Doch in Industrieanlagen, bei Lagertanks für Chemikalien, in Zellstoff- und Papierfabriken sowie für Notfallszenarien ist er unverzichtbar.

Gerade für Notfallszenarien kommt den Ausbreitungsmodellen unabhängig von der jeweiligen Branche die größte Bedeutung zu. Bei einem Notfall mit Freisetzung chemischer Stoffe müssen Ersthelfer kritische Entscheidungen treffen, obwohl ihnen nur wenige oder gar keine Informationen zur Verfügung stehen. Ob Brände oder Austritt von Chemikalien, bei einem Notfall können Ausbreitungsmodelle den Ersthelfern dazu dienen, mögliche Folgen für Anwohner einzuschätzen und entsprechende Entscheidungen für eine eventuell erforderliche Evakuierung zu treffen oder Anwohner auffordern, nicht nach draußen zu gehen und Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Sich einzugestehen, dass es jederzeit zu einem überraschenden Notfall kommen kann und dieser irgendwann auch einmal eintritt, ermöglicht es Ihnen, sich hierauf vorzubereiten, zu planen und zu reagieren, bevor es zu spät ist. Die Grundlage für erfolgreiche Rettungsmaßnahmen besteht in der Einrichtung und Umsetzung von Werkzeugen zur Echtzeitüberwachung von Sammelpunkten, Evakuierungszonen, der Anlagengrenzen und Plätzen des öffentlichen Lebens auf gefährliche Stoffe.

Mithilfe dieser Echtzeit-Tools müssen Sie nicht raten, wie sich Gase eventuell ausbreiten könnten. Stattdessen können Anlagen und Ersthelfer schnell reagieren und im Bereich Ihrer Anlage sowie im Hinblick auf die betroffenen Gemeinden fundierte Entscheidungen treffen.

Unsere Software SAFER One™ für Ausbreitungsmodelle ist die erste und einzige Echtzeitlösung zur Bekämpfung chemischer Vorfälle, die Ihnen die Überwachung von Bereichsüberwachern und Wettersensoren ermöglicht. Zudem bietet sie dynamische Modelle zur Ausbreitung von Gasen mit Anpassungen in Echtzeit anhand von Sensordaten und somit die Bekämpfung der Folgen einer Freisetzung von chemischen Stoffen.

Erfahren Sie mehr über die Software für Ausbreitungsmodelle.

<<Vorheriger Post Startseite Nächster Post >>