Beengte Räume...Wir haben ein Problem mit der Kommunikation

Beengte Räume...Wir haben ein Problem mit der Kommunikation

Kyle Kruger | Freitag, 26. Juni 2020

Ein Zitat aus dem Film „Cool Hand Luke“ aus dem Jahr 1967 fasst wunderbar das Problem zusammen, das wir alle mit beengten Räumen haben: „Hier gibt es ein Kommunikationsproblem. Manche Männer sind einfach nicht zu erreichen.“ Bei ungefähr 60 % aller Todesfälle in beengten Räumen sind Rettungskräfte betroffen[1], da die Männer und Frauen innerhalb dieser Räume keine Möglichkeit haben, andere vor gefährlichen Gaskonzentrationen im Inneren zu warnen. Laut einer Studie des National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH) ist der überwiegende Anteil (über 55 %) dieser Todesfälle auf eine gefährliche Konzentration von giftigen und explosiven Gasen zurückzuführen. Häufig sterben Rettungskräfte, weil sie nicht wissen, dass die Atmosphäre des Raums, den sie betreten, aufgrund der dortigen Gaskonzentration äußerst gefährlich ist. Der beste Weg zu Verhinderung von Todesfällen aufgrund gefährlicher Gaskonzentrationen in beengten Räumen ist die korrekte Anwendung von Gaswarngeräten und vorhandener Technologie, um mögliche Retter vor diesen Gefahren zu warnen. Wir müssen unser Kommunikationsproblem lösen und verstehen, auf welche Weise wir jenen am besten helfen können, die wir nicht erreichen können. 

Behalten Sie den Überblick
bei der Überwachung von Gasen

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Sie brauchen noch mehr Hintergrundinfos? Dieser Fachartikel beschäftigt sich mit der
Technologie, die eine Vereinfachung der Überwachung von Gasen ermöglicht.

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Fehler Nr. 1: Keine Peer-to-Peer-Weiterleitung von gefährlichen Gaskonzentrationen in Echtzeit: In der Vergangenheit haben sich Gaswarngeräte sehr bewährt, wenn es darum ging, den Träger des Geräts vor gefährlichen Gaskonzentrationen zu warnen. Allerdings haben diese Geräte bisher dabei versagt, andere Teammitglieder vor möglichen Gefahren zu warnen. Angesichts der Statistiken zu Todesfällen in beengten Räumen stellt sich die Frage, ob nicht auch die Rettungskräfte vor eventuell gefährlichen Gaskonzentrationen gewarnt werden müssen, bevor sie solche Räume betreten und einen Rettungsversuch unternehmen? Und sollte nicht auch der Beobachter in Echtzeit über die Messwerte des Gaswarngeräts derjenigen Person informiert werden, die den Raum betritt? Angesichts der Fortschritte im Hinblick auf die drahtlose Kommunikation bei Gaswarngeräten muss erst einmal festgelegt werden, wie die entsprechenden Daten übertragen werden sollten. Zwar ist es von Vorteil, wenn ein Gerät seine Messwerte über die Internet-Cloud an eine Person in der Ferne senden kann. Dies hilft jedoch nicht den anderen Teammitgliedern, die somit unter Umständen ein Teil der oben erwähnten 60 % von Rettungskräften werden. Eine Peer-to-Peer-Kommunikation bei der Überwachung von Gasen, beispielsweise mithilfe von LENS™ Wireless, stellt die beste Möglichkeit dar, alle möglicherweise direkt gefährdeten Personen zu warnen, damit sie in Echtzeit eine optimale Entscheidung treffen können. Darüber hinaus ermöglichen Technologien wie LENS-Wireless eine Datenübertragung zwischen Gaswarngeräten für den persönlichen Schutz und Bereichsüberwachern. So können Benutzer diese Geräte ganz einfach in beengten Räumen platzieren und die Daten zu Gaskonzentrationen dort weiterleiten, ohne zunächst einen Mitarbeiter in einen solchen Raum schicken zu müssen. Dank der Investition in eine einfache Datenübertragung lassen sich solche Ad-hoc-Netzwerke problemlos installieren, um jenen Mitarbeitern diese wichtigen Daten zur Verfügung zu stellen, deren Leben direkt davon abhängt.

Fehler Nr. 2: Missachtung der 2x2-Regel: Vor dem Betreten beengter Räume muss zuerst die Atmosphäre im Inneren getestet werden. Das entspricht dem gesunden Menschenverstand und ist allgemein bekannt. Allerdings ist die richtige Vorgehensweise hierbei einer der am häufigsten missverstandenen Punkte, was die korrekte Verwendung von Gaswarngeräten angeht. Lassen Sie mich dies an einem Beispiel verdeutlichen. Nehmen wir an, jemand geht angeln. Würde er sofort die Angelschnur einholen, nur weil kein Fisch anbeißt und daraus schließen, dass es in dem See keine Fische gibt? Nein! Und warum nicht? Weil wir alle wissen, dass Angeln ein Vorgang ist, der Zeit, gewisse Fähigkeiten und Geduld erfordert, damit man am Ende zum gewünschten Ergebnis gelangt. Nicht wahr? Deshalb soll mir doch mal jemand erklären, warum manche Menschen denken, dass man nur einen Schlauch in einen Raum halten und ein paar Sekunden warten muss, bevor man den Raum für sicher erklärt. Die 2x2-Regel wurde als einfache und klare Richtlinie entwickelt, um die Sicherheit eines Raums zu überprüfen. Laut der Regel muss über die Dauer von 2 Minuten eine Probe genommen werden … PLUS 2 Sekunden pro 30,48 Zentimeter (1 Fuß) Schlauchlänge. Dies bezieht sich auf die angeschlossene Schlauchlänge, nicht auf die Größe des Raums. Nehmen wir ein übliches Szenario: Wie lange dauert die Probennahme aus einem Raum mit 3,05 Meter (10 Fuß) bei Verwendung eines Schlauchs mit 6,1 Meter (20 Fuß) Länge? 2 Minuten und 40 Sekunden – also 2 Minuten plus 2 Sekunden pro 30,48 Zentimeter (1 Fuß) Schlauchlänge (20 Fuß). Und denken Sie daran, dass dies pro Schicht gilt. Rollen Sie also den Schlauch nicht so schnell wieder auf. Eine korrekte Probennahme nimmt Zeit in Anspruch und setzt die entsprechenden Kenntnisse und Geduld voraus. Nutzen Sie die Zeit und machen Sie sich bewusst, welche anderen Gefahren Ihnen beim Betreten dieses Raums begegnen könnten.

Durch die kontinuierliche Überwachung eines beengten Raums lässt
sich gewährleisten, dass gefährliche Gaskonzentrationen schon in der
Entstehungsphase bemerkt werden.

Fehler Nr. 3: Gaswarngeräte an Riemen/Seilen in einen Raum hinabzulassen: Mir ist klar, dass ich damit jenen auf die Füße treten könnte, die regelmäßig so vorgehen. Aber jetzt mal im Ernst, Leute. Wir befinden uns im Jahr 2018 und das beste, was uns für die Probennahme der Atmosphäre in einem Raum einfällt, ist, ein wirklich wichtiges Gerät zum Schutz von Mitarbeitern an einem Riemen/Seil zu befestigen? Bitte, tun Sie das nicht. Die richtige Verwendung eines Gaswarngeräts mit einer Pumpe (integriert oder Aufsteckpumpe) ist bei Weitem die beste Möglichkeit, Messergebnisse in Echtzeit zu erfassen und eine ordnungsgemäße Probennahme zu gewährleisten. Andernfalls können Sie die Messergebnisse nicht wirklich in Echtzeit sehen oder eine unnötige Beschädigung des Gaswarngeräts verhindern. Schlimmer noch, Sie bringen Menschenleben in Gefahr, sollte ein Mitarbeiter versuchen, ein Gaswarngerät zu bergen, das in einen solchen Raum gefallen ist. Hoffen wir mal, dass Sie für einen solchen Fall ein Ersatzgerät bei sich tragen.

Fehler Nr. 4: Keine kontinuierliche Überwachung: Nur weil die Atmosphäre für sicher befunden wurde, bevor Sie den Raum betreten haben (unter der Annahme, dass Sie die 2x2-Regel praktiziert haben), bedeutet das noch lange nicht, dass sie auch weiterhin stabil bleibt und sich nicht ändert. Oft ändert sich durch die in einem beengten Raum durchgeführten Arbeiten die Atmosphäre dynamisch, da sich alte Komponenten lösen oder neue in den Raum gelangen. Eine kontinuierliche Überwachung ist der einzig mögliche Weg sicherzustellen, dass die Atmosphäre immer sicher ist. Nur weil man in dem Raum ein Gebläse zur Belüftung installiert hat, heißt das nicht, dass A). die in den Raum geblasene Luft sauber ist (vor allem wenn sich das Gebläse in der Nähe einer Abluftleitung befindet) oder dass B.) der Luftstrom ausreicht, um gefährliche Konzentrationen zu verhindern.

Bitte nehmen Sie sich diesen Monat Zeit, um Ihr Programm für beengte Räume zu überprüfen und das Szenario eines möglichen Vorfalls durch gefährliche Konzentrationen durchzuspielen. Versetzen Sie sich selbst in die Lage einer Person, die einen Raum mit einer gefährlichen Atmosphäre betritt … musste sie in der Schulung einfach nur das richtige Kästchen ankreuzen? Oder trifft sie vor dem Betreten von beengten Räumen die richtigen Vorkehrungen? Versetzen Sie sich nun in die Lage von Kollegen/Freunden dieser Person, die sich den Kopf zerbrechen, wie sie ihr helfen könnten. Verfügen Sie in Echtzeit über alle erforderlichen Informationen zu dieser Umgebung? Wir müssen nicht akzeptieren, dass ein Kommunikationsproblem die häufigste Ursache für Todesfälle in beengten Räumen ist. Wir können vorhandene Technologie und erfolgreich angewendete Vorgehensweisen nutzen, um Todesfälle am Arbeitsplatz endgültig zu verhindern.

[1] https://www.cdc.gov/niosh/docs/94-103/pdfs/94-103.pdf?id=10.26616/NIOSHPUB94103

Dieser Artikel erschien im Jahr 2018 in der Novemberausgabe des OH&S Magazine.